Bräuche zum Kalenderjahreswechsel
#1
Die Wilde Jagd hat in der Nacht begonnen

   
Die Wilde Jagd zieht über den Himmel in der Rauhnachtszeit und ...

Das Ritual den Kalenderjahreswechsel mit allerlei Krach, Böllerei und sonstigem Lärm zu begehen, ist deutlich älter als Papst Silvester – nach dessen Todestag (31.12.335 n. d. Z.) der letzte Kalenderjahrestag benannt worden ist.

Das alles hat natürlich heidnische Wurzeln, und der Bezug auf den doofen Papst ist eine nachträgliche religiös gewollte Überlagerung, die mit dem Ursprung des Brauches nichts zu tun hat. Die Kirche hat hier keinen Brauch geschaffen, sondern lediglich einen bestehenden Jahreswechsel kirchlich etikettiert. Das ist ein klassisches Muster der Chr*stianisierung.

Lärm, Feuer und Rauch zum Jahreswechsel sind hingegen uralt. In germanischen, keltischen, slawischen, römischen und asiatischen Kulturen existieren bereits lange vor dem Chr*stentum Feuerfeste, Lärmrituale, Maskierungen, Rauch, Trommeln, Hörner und Peitschenknallen. Ziel war die Vertreibung böser Geister, Wiedergänger und Dämonen, die Vertreibung von Unglück und schädlicher Energie. Also von nicht zurückgezogenen dummen Gedanken und Emotionen (kurz: Blockaden) für das neue Kalenderjahr.

Der ohrenbetäubende Lärm, das Feuer und der Qualm dienen also dem Schutz & der Abwehr schädlicher Energien und schließlich auch der Reinigung von diesen negativen Überbleibseln des alten Jahres.

Im germanischen Raum fiel das in die Zeit der Rauhnächte. Die lärmende Wilde Jagd nahm alle schädlichen Geister und noch nicht-loslassen-wollende Verstorbene mit sich und zog als reinigendes Gewitter über die Köpfe der Menschen hinweg.

   
... nimmt auch alle Verstorbenen mit sich, die das Irdische noch nicht loslassen wollen.

Das heutige Feuerwerk zum Jahreswechsel ist in seinem Kern ein modernes Überbleibsel dieser Rauhnachtsrituale. Die Kirche stand dabei vor zwei Optionen: den Brauch zu verbieten, was scheiterte, oder ihn zu überlagern, was funktionierte. Also blieb der Jahreswechsel, der Lärm und das Feuer, aber der Tag hieß nun Silvester. Umbenennung statt Ursprung.

Selbst aus Asien sind diese Bräuche bekannt. Beispielsweise in China. Dort existieren Lärm- und Feuerwerksrituale seit über 2.000 Jahren mit exakt demselben Zweck: Vertreibung böser Geister, Schutz zum Neujahr und Reinigung des Übergangs. Das zeigt eindeutig, daß dieser Brauch keinerlei chr*stlichen Ursprung haben kann.

Abschließend läßt sich festhalten, das Feuerwerk ist heidnisch – nur der Name für den letzten Tag im Jahr ist leider chr*stlich überlagert. Man vertreibt Geister und Wiedergänger nicht wegen eines Papstes, sondern wegen eines Brauches, der viele tausend Jahre zurückreicht und dem eine Weisheit innewohnt, welche heutige Menschen nicht mehr ansatzweise verstehen.
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#2
Die wilde Jagd hat in der Nacht begonnen ... alles was war

   
Ein Überbleibsel der Wilden Jagd sind die biblischen Vier Reiter.

Der Begriff „Wilde Jagd“ wurde auf Grundlage von Grimms Deutscher Mythologie (1835) geprägt.

Die Wilde Jagd ist in Skandinavien als Odensjakt (Odins Jagd), Oskorei, Aaskereia oder Åsgårdsrei (der asgardische Zug, Fahrt nach Asgard) bekannt und natürlich eng mit der Julzeit verbunden. Auch in den alemannischen und schwäbischen Mundarten wird der Bezug zu Wotan/Odin im Namen Wüetisheer (mit zahlreichen Abwandlungen) deutlich; in den Alpen spricht man hingegen vom Gratzug. In England wird der Zug The Wild Hunt (also ganz wie bei uns) genannt und in Frankreich Mesnie Hellequin, chasse fantastique, chasse aérienne oder chasse sauvage. Im französischsprachigen Teil Kanadas wird der Begriff Chasse-galerie verwendet. Im Italienischen wird die Wilde Jagd als Caccia Selvaggia oder Caccia Morta bezeichnet.

Der Geisterzug zieht mit einem fürchterlichen Gerassel unter Schreien, Johlen, Heulen, Jammern, Ächzen und Stöhnen durch die Lüfte. Manchmal macht er aber auch liebliche Musik, was dann als gutes Omen verstanden wird; ansonsten kündigt er Umwälzungen an. Sperrt also die Lauscher auf, ob Ihr liebliche Klänge hört? Vielleicht ein schönes Konzert?

Der Zug nimmt Männer, Frauen und Kinder jeden Alters mit. Und zwar solche, die vorzeitig einen gewaltsamen oder unglücklichen Tod gefunden haben. Denn die Wilde Jagd sammelt die Seelen der Menschen ein, die „vor ihrer Zeit“ gestorben sind und deshalb noch nicht gehen wollen.

Allgemein ist die Wilde Jagd dem Menschen jedoch nicht feindlich gesinnt. Sie räumen halt auf und tragen den (geistigen und emotionalen) Müll weg. Doch wer zu sehr an seinem Müll hängt oder die Jäger wegen des Einsammelns beschimpft oder verspottet, der kann schon mal mitgenommen werden.

   
In Kanada verschmolz die Sage mit indianischen Motiven zur Chasse-galerie. Dort fahren die Jäger in einem Kanu über den Himmel.

Der Zug wird angeführt von einem Vorreiter; einem Warner, der vor dem Geisterzug warnt mit Rufen wie: „Ho ho ho! Aus dem Weg, aus dem Weg, damit niemand geschändet wird!“.

Dieser Vorreiter trägt Namen wie: Hassjäger, Helljäger, Tolljäger, Schimmelreiter oder Türst. In Thüringen heißt er Elbel oder Erlkönig. Manchmal hat er einen Namen, wie in Schwaben, wo der von weißen Hunden begleitete, weiß gekleidete Berchtold auf einem weißen Pferd dem Wilden Heer voranreitet.

In Schweden wird der Anführer Odin (der Erste) genannt, der eine mythische „Waldfrau“ (schw. Skogsrå, norwegisch Hulda) jagt. In England wird Herne der Jäger, mit der Wilden Jagd in Verbindung gebracht.

Und auch die bekannte Frau Holle ist Teil der Wilden Jagd. In Süddeutschland und Österreich als Perchta bekannt.

In norddeutschen Sagen führt Hanns von Heckelberg (Hackelberg) die Wilde Jagd den Fluß Oker hinauf und hinunter an. Ihm fliegt der Nachtrabe voraus. Der Name Heckelberg soll sich dabei von Hakul-Berend (Mantelträger) ableiten und auf Odin verweisen. Die saarländische Sage beschreibt als Führer den „wilden Jäger“ Maltitz, der für den Frevel, am Karfreitag zur Jagd geritten zu sein, für immer verdammt wurde, die Wilde Jagd anzuführen. In der Prignitz jagt während der „Twölven“ Frau Gauden mit ihren 24 hundsgestaltigen Töchtern auf einem Wagen durch die Lüfte. Auch Dietrich von Bern wird zuweilen als Anführer der Wilden Jagd genannt.

Freunde, wer auch immer die Wilde Jagd anführt, seid freundlich zu ihm. Er tut uns allen einen großen Gefallen!
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#3
Kein Wunder, dass wir im Heckelberger Wald (Märkisch Oderland) einst Odin begegnet sind. :-)
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